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„Sinnmaximierung“



Was ist notwendig für eine nachhaltige Zukunft? „Sinnmaximierung“ sagt ein Teilnehmer des ThinkCamp-Entwicklungstreffens und pinnt den Zettel an die Wand. Das Wort „Sinnmaximierung“ löst spontane Heiterkeit aus. Auch ich muss lachen. Nutzenmaximierung ist allgemein bekannt – aber Sinnmaximierung? Dieser neue Begriff regt zum Nachdenken an.
Die Nutzenmaximierung ist bekanntlich das Grundprinzip der gängigen Wirtschaftswissenschaft. Zu Grunde liegt hier das Menschenbild des homo oeconomicus, ein egoistisches ökonomisches Phantasiewesen, das ständig darauf bedacht ist, seinen Nutzen zu maximieren indem es Vermögen anhäuft.
Doch wohin dieses eindimensionale nutzenmaximierende Denken in den Wirtschaftswissenschaften geführt hat, wird uns heute in alarmierender Weise vor Augen geführt: Ökologische Probleme sind entstanden – zu lange wurde nur auf den Profit geschaut, ohne die ökologischen Auswirkungen zu bedenken und Verantwortung zu übernehmen. Die Verantwortung für die Umwelt wurde und wird auf den Staat abgewälzt, der Regelungen schaffen soll, welche die Umweltprobleme lösen. Nicht zuletzt durch die Weltklimakonferenz in Kopenhagen wurde vielen deutlich, dass es dringend notwendig ist, Schadensbegrenzung bezüglich der Klimaerwärmung zu betreiben. Eine Begrenzung der Klimaerwärmung auf durchschnittlich 2 °C ist womöglich gerade noch zu erreichen – jedoch mit baldigen drastischen Maßnahmen. Leider sieht es ganz danach aus, dass es nicht dazu kommt und die Klimaerwärmung erheblich weiter fortschreitet und die Lebensgrundlagen heutiger und zukünftiger Generationen gefährdet.
Ein eindimensionales nutzenmaximierendes Denken hat auch einen großen Anteil am gesellschaftlichen Ungleichgewicht, an einer weltweit größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich und an gesellschaftlichen Unruhen.
Nicht zuletzt führt die sogenannte Nutzenmaximierung auch zu ökonomischen Problemen wie die Weltwirtschaftskrise. Die Gier nach immer größerem wirtschaftlichen Erfolg führt zu risikoreichen Geschäften und zum Handel mit Vermögenswerten, die es gar nicht gibt. Und irgendwann kollabiert das System und Banken und Unternehmen werden insolvent. Ist das wirklich Nutzenmaximierung? Ein Langfristdenken mit einer Orientierung an allen drei Säulen der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie und Soziales) wäre notwendig. Statt dessen denken zu viele Unternehmen nur in Quartalszeiträumen und an den kurzfristigen Gewinn.
Was würde bei einer Sinnmaximierung anders laufen?
Zunächst einmal: Lässt sich der Sinn überhaupt maximieren? Ich denke, genauso wenig wie sich der Nutzen maximieren lässt. Ein Mensch, der sich am Menschenbild der Ökonomie homo oeconomicus orientiert, wird zur Karikatur. Er wäre immer darauf bedacht, in jeder Situation das meiste für sich herauszuholen und würde bei seinen Mitmenschen sehr bald als absonderlich gelten. Zudem müsste er sich die Frage gefallen lassen, ob er, wenn er gerade gemütlich dasitzt und sich bei einer Tasse Kaffee unterhält, wirklich seinen Nutzen maximiert. Es gäbe sicherlich eine andere Tätigkeit, bei der er mehr Vermögen anhäufen könnte.
Ein Mensch, der den Sinn maximieren will, kann jedoch ebenfalls zur Karikatur werden. Ist es wirklich am sinnvollsten den Ausflug zu machen, ein Buch zu lesen oder jemanden zu besuchen oder gäbe es nicht doch eine sinnvollere Tätigkeit? Ist es sinnvoll ein Eis zu essen? Macht es Sinn 7-8 Stunden am Tag zu verschlafen – eine Zeit in der viel sinnvolles getan werden könnte? Sinnmaximierung funktioniert also ebenfalls nicht. Doch es kann eine Sinnoptimierung, Sinnsteigerung oder eine Sinnorientierung geben.
Wer sich am Sinn orientiert kommt näher an Nachhaltigkeit heran. Es heißt nicht mehr: Wie bringe ich die Leute dazu, Produkte zu kaufen, die Sie eigentlich gar nicht brauchen und dazu noch umweltschädlich sind? Sondern: Was wird wirklich gebraucht? Wie produziere ich umweltfreundlich, um die Lebensgrundlagen heutiger und zukünftiger Generationen zu erhalten? Wie behandle ich meine Mitarbeiter? Was kann ich tun, um zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beizutragen? Sind unsere Unternehmensziele sinnvoll? Wie bringen wir die Themen Wirtschaft und Ethik unter einen Hut? Was bedeutet für uns Unternehmensverantwortung? Macht Greenwashing Sinn oder sollten wir unsere schön formulierten nachhaltigen Unternehmensziele wirklich ernst nehmen? Zu wenige Unternehmen haben bereits erkannt: Eine Orientierung an Nachhaltigkeit führt zu besseren Produkten, motivierteren Mitarbeitern, Kosteneinsparungen durch Energieeffizienzmaßnahmen, einem guten Image und zu langfristigem wirtschaftlichen Erfolg. Warum also noch warten? Ein weitreichendes Umdenken und Umhandeln ist notwendig.
Eindimensionales ökonomisches Denken ist wie die Fahrt durch einen Tunnel: Man sieht nur die Straße und die dunkle Röhre. Wenn man aber aus den Tunnel herauskommt sieht man den Himmel, die Sonne, Berge, Seen, Dörfer, Städte und Wälder: Man hat nun den Weitblick in alle Richtungen – und das ist Nachhaltigkeit.
ThinkCamp hat das Ziel, eine Nachhaltige Entwicklung voranzubringen. Ein Umdenken soll angestoßen werden und gleichzeitig sollen Projekte realisiert werden, die nachhaltig sind und an denen Nachhaltigkeit gelernt werden kann.
Und eines ist auch klar: Eine Nachhaltige Entwicklung kann nicht nur durch Gesetze, Politiker und Unternehmen in Gang gebracht werden. Nachhaltigkeit braucht verantwortliches sinnorientiertes Handeln jedes Einzelnen. Nehmen wir also die Herausforderung an: Leisten wir unseren sinnvollen Beitrag zu lebensfreundlichen Bedingungen in Wirtschaft und Gesellschaft und für den Erhalt der Lebensgrundlagen auf unserem Planeten.

Dr. Detlef Schreiber





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